Ruhestand vs Finanzielle Freiheit

By | Januar 24, 2020

Rente, Ruhestand oder Pensionierung sind in meinen Augen extrem starke Wörter. Ehrlich gesagt glaube ich, dass in einem Land wie der Schweiz heutzutage die meisten Menschen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben und einen Beitrag zum System geleistet haben, finanziell über die Runden kommen können und sich finanziell sicher fühlen.

Bereits bevor ich mich bewusst für meinen Weg zur finanziellen Freiheit entschieden hatten gingen mir fragen durch den Kopf wie;

Wie hoch wird wohl das ordentliche Rentenalter sein, wenn es bei mir in 35-40 Jahren soweit ist? Wie sieht das Vorsorgesystem dann aus? Will ich wirklich solange noch arbeiten? Braucht es wirklich den Staat, welcher darüber entscheiden, wann ich und unter welchen Rahmenbedingungen in Rente gehen darf?

Ich bin grundsätzlich zufrieden mit dem Sozialsystem, welches wir haben. Auch der Bezug von Vorsorgegeldern der 2. und 3. Säule ist unter gewissen Umständen möglich.


Vorzeitige Pensionierung

Mit Freunden haben ich meine Gedanken und meine Offenheit bezüglich einer frühzeitigen Pensionierung geteilt um den Hamsterrad eines Arbeitnehmers zu entkommen. Ich wollte wissen, ob sie jemals darüber nachgedacht haben oder es als eine Option in Betracht betrachten. Bis auf eine Person war niemand wirklich offen dafür. Ich fand das recht interessant, da meine Freunde normalerweise offen sind und wir über alle Gott und die Welt sehr gut diskutieren können.


Warum ist das so?


Persönliche Finanzen sind hier immer noch ein Tabuthema, über welches gerade viele Schweizer nicht gerne sprechen. Ausserdem hat es wohl auch etwas mit Gewohnheiten, der Komfortzone sowie damit zu tun, nicht gegen den Strom schwimmen zu wollen. Ausserdem ist es für einen normalen Arbeitnehmer in der Schweiz höchst ungewöhnlich sich bereits sehr pensionieren zu wollen. Deshalb konnten viele von ihnen einfach nicht glauben, dass es ohne grosse Einschränkungen möglich ist, das Ziel der Frühpensionierung zu erreichen.

Oft lese ich Kritiken über ein sparsameres Leben und die FIRE Bewegung wie:


Entbehrung und Geiz werden als “Unabhängigkeit” verkleidet, die ferne Zukunft wird als wichtiger angesehen als die Gegenwart, und die Arbeit als Angestellter wird als ein Gefängnis dargestellt, aus dem man ausbrechen muss.


Ich könnte sogar teilweise zustimmen, wenn jemand wirklich seinen eigenen Lebensstil beschneidet und das Gefühl hat, dass die ferne Zukunft wichtiger ist als die Gegenwart, dann ja, das wäre fragwürdig. Nur weil jemand bewusster seine Ausgaben tätigt, heisst dass nicht dass er zwangsläufig auf etwas verzichtet. Konsum macht ja nicht langfristig glücklich. Es wird oft lediglich ein kurzzeitiger Impuls befriedigt.


Die meisten meiner Freunde haben einen Bürojob und sind Angestellte. Keiner von ihnen würde sagen, dass es ihr Traumjob ist. Die meisten von ihnen würden aufhören zu arbeiten oder die Arbeit wechseln, falls sie im Lotto gewinnen würden. Mir geht es ehrlich gesagt ähnlich. Ich hasse meinen Job nicht und fühle mich nicht wie im Gefängnis, aber ich liebe die Arbeit immer noch nicht. Ich schätze den Austausch und die Zusammenarbeit mit meinen Teamkollegen, meine Freiheit bezüglich meiner Arbeitsweise, die ich anwenden kann, den Kontakt zu den Kunden, aber es ist immer noch meine Arbeit, für die ich bezahlt werde.


Finanzielle Unabhängigkeit vs. (Früh-)Pensionierung

Mein Ziel ist es weit vor dem üblichen Rentenalter finanziell unabhängig zu sein. Ein konkretes Ziel, wie ich möchte mit 40 Jahren finanziell unabhängig sein, habe ich mir noch nicht gesetzt. Mein aktueller Fokus liegt auf der Erfassung und Analyse meiner Kosten. Sobald ich jedoch finanzielle Unabhängigkeit erreicht habe, werde ich nicht zwingend in den Ruhestand gehen. Vielleicht nehme ich einen anderen Job an, arbeite selbstständig, reduziere meine Arbeitspensum oder mache eines dieser Dinge bereits auf meinem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Ich denke, finanzielle Unabhängigkeit wird oft mit dem (vorzeitigen) Ruhestand verwechselt. Meiner Meinung nach sollte jeder über finanzielle Unabhängigkeit nachdenken, aber das bedeutet nicht, dass man sofort in Rente gehen muss. Die übliche Meinung ist derzeit eher darauf gerichtet, dass jeder über seine Vorsorge nachdenken sollte.


Was denkst du über die finanzielle Unabhängigkeit im Vergleich zur (Früh-)Rente? Teile deine Meinung gerne in den Kommentaren.

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